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Politik/Gesellschaft

Berlin will "Drug-Checking" im März starten

Berlins Senatsgesundheitserwaltung will voraussichtlich im März mit dem Projekt "Drug-Checking" beginnen. Das bestätigt ein Sprecher am Montag dem rbb. Dadurch soll es möglich werden, kostenlos, anonym und legal Drogen auf deren Wirkstoffe oder Verunreinigungen testen zu lassen. Ein genauer Starttermin stehe noch nicht fest. Die Kooperationsvereinbarungen mit den Partnerinnen und Partnern lägen vor.

Der drogenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Vasili Franco, bezeichnet das Drug-Checking als "Teil einer Entkriminalisierungsstrategie".

Und als "harm reduction" - als Möglichkeit, die gefährlichen Nebenwirkungen des Drogenkonsums einzudämmen. Franco sagte dem rbb, durch verantwortungsvolle Politik ließen sich die Konsumenten schützen, gerade durch Beratungsgespräche, Aufklärung und Prävention. Auch die Berliner FDP-Fraktion unterstützt das Drug-Checking. "Nach anfänglicher Skepsis finde ich das ein gutes Projekt", sagte ihr gesundheitspolitischer Sprecher, Florian Kluckert, dem rbb. Nur so käme man "an Konsumenten heran, die sich sonst nicht mehr erreichen ließen".

Künftig können Drogen-Nutzer ihre Substanzen nach einem Beratungsgespräch auf die Inhaltsstoffe untersuchen lassen. Drei Träger sind dazu mit an Bord: Die Schwulenberatung Berlin, sowie der Verein Vista und die Fixpunkt gGmbH. Die Analyse dauert etwa drei Tage und wird vom Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin durchgeführt.

Dieses bekommt dafür mehr Personal - die Einstellungsverfahren für zwei zusätzliche Stellen sind laut Gesundheitsverwaltung fast abgeschlossen.

Die Planungen für das Drug-Checking laufen seit 2018. Rund 200.000 Euro sind pro Jahr im Haushalt der Senatsgesundheitsverwaltung für das Projekt fest eingestellt.

Kritik kommt von der CDU. Der Senat setze "falsche Prioritäten" bei Menschen, die abhängig sind, sagte CDU-Gesundheitspolitiker Christian Gräff dem rbb. "Besserer Zugang zu Ärzten und Therapeuten wäre besser, als Abhängigkeit zu akzeptieren." Die AfD-Fraktion sieht das Projekt "ambivalent":

Es sei zwar "gut, wenn sich Abhängige so keinen Mist mehr reinziehen", sagte Gesundheitspolitiker Frank-Christian Hansel dem rbb. Aber das Drug-Checking dürfe auch kein "Türöffner" werden für den Drogenkonsum.

Vorbild sind mehrere Projekte in Wien und Zürich, die seit Jahrzehnten Drogen-Konsumenten ermöglichen, ihre Substanzen straffrei testen zu lassen.