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Walter-Serner-Preis 2019 vergeben

Der Walter-Serner-Preis - vergeben von rbbKultur und dem Literaturhaus Berlin - geht in diesem Jahr an Katrin Weber-Klüver für ihre Erzählung "Suada mit Guppies". Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

Weber-Klüver erzählt die Geschichte einer jungen Frau namens Tamara, die drei Wochen zum Fischefüttern nach Berlin reist. Ihre Freundin erwartet Fotos von Partys und Abenteuern. Doch die Wohnung des verreisten Onkels liegt in Hohenschönhausen - das "sah fucking amtlich nach Banlieue aus" - und Tamara träumt eigentlich von Paris.

Statt sich ins Berliner Leben zu werfen, bleibt sie im Hochhaus, zählt Fische und schickt fingierte Fotos an die Freundin.

"Suada mit Guppies" überzeugte die Jury, weil Katrin Weber-Klüver "eine humorvolle und gleichzeitig berührende Anti-Berlin-Geschichte erzählt, die jeden Hype um die Hauptstadt ironisiert". In treffender Rollenprosa entfaltet die Autorin das Porträt einer Generation, die auch unter multimedialem Erwartungsdruck steht, dem sich die Hauptfigur dieser Geschichte aber durch kreative Hochstapelei entzieht.

1966 in Schleswig-Holstein geboren, lebt Katrin Weber-Klüver nach Stationen im In- und Ausland seit 2000 in Berlin-Kreuzberg. Sie arbeitet freiberuflich als Autorin für Zeitungen, Online und Radio sowie als Spielfilm-Dramaturgin, gelegentlich auch als Ghostwriterin.

Für den Walter-Serner-Preis gingen 2019 390 Bewerbungen ein. Gesucht wurden unveröffentlichte Kurzgeschichten, die in der erzählerischen Tradition von Walter Serner sprachmächtig und scharfsinnig von "Hochstaplern" berichten. Gastjuror diesmal war der Schriftsteller Abbas Khider, der auch die Laudatio auf die Preisträgerin halten wird.

Der Preis wird am 9. Dezember um 19.30 Uhr im Literaturhaus Berlin verliehen. In der Jury waren zudem Sonja Longolius und Janika Gelinek vom Literaturhaus sowie Nadine Kreuzahler und Anne-Dore Krohn vom rbb. Der Eintritt ist frei.

Der Preis erinnert an Walter Serner. Er wurde 1889 in Karlsbad geboren und lebte in Wien, Berlin und Zürich. Er schrieb u.a. "Letzte Lockerung. Ein Handbrevier für Hochstapler" und "Die Tigerin". 1942 wurde er aus Prag nach Theresienstadt deportiert und von dort weiter in den Wald von Bikernieki bei Riga, wo er am 23. August 1942 mit seiner Frau Dorothea ermordet wurde.