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Volksentscheid Tegel

Chronologie: Der lange Weg zum BER

* Dezember 1989: Die Mauer ist gerade gefallen, da will der West-Berliner Senat zwei Millionen D-Mark in eine Joint-Venture-Gesellschaft mit der DDR zum Ausbau des Flughafens Schönefeld investieren. Anfang der 1990er Jahre wird gefordert: die Region braucht einen neuen Großflughafen. Acht mögliche Standorte werden getestet.

Dezember 1991: Die Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF) wird gegründet. Gesellschafter sind Berlin und Brandenburg mit je 37 Prozent sowie der Bund mit 26 Prozent.

* Juni 1993: Für Jüterbog Ost, Schönefeld Süd und Sperenberg wird das Raumordnungsverfahren beantragt. Das politische Tauziehen beginnt.

* Juni 1996: Bundesverkehrsminister Wissmann, Berlins Regierender Bürgermeister Diepgen und Brandenburgs Ministerpräsident Stolpe fällen den sogenannten Konsensbeschluss: Sie empfehlen der Flughafengesellschaft eine Standortentscheidung zu Gunsten von Schönefeld Süd sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof.

* 1997: Flughafengegner schließen sich im Bürgerverein Brandenburg-Berlin e.V. (BVBB) zusammen. Sie lehnen den Standort Schönefeld ab.

* 1999: Die Schönefelder Flughafengesellschaft reicht die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren ein. Der Flughafen soll unter privater Regie gebaut und betrieben werden. Es gibt 27 Bewerbungen. Den Zuschlag erhält ein Konsortium um den Essener Baukonzern Hochtief. Der Vergabebescheid wird vom Brandenburgischen Oberlandesgericht aber wegen Verfahrensfehlern kassiert.

* 2002: Eine Grundsatzvereinbarung wird unterzeichnet, der Flughafen soll diesen Planungen zufolge 2008 in Betrieb gehen.

* Mai 2003: Die Privatisierung scheitert, weil die Bewerber aus Sicht der Gesellschafter keine finanziellen Risiken tragen wollen. Das Schönefelder Flughafenprojekt wird in öffentlicher Regie weiterverfolgt.

* August 2004: Zum Abschluss des Genehmigungsverfahrens gibt der Planfeststellungsbeschluss grünes Licht: Der BBI - so der Arbeitstitel - darf unter Auflagen gebaut werden.

* Oktober 2004: Tausende BBI-Gegner reichen beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Klagen ein.

* April 2005: Die Richter geben Eilanträgen mehrerer Anwohner statt und verhängen einen weitgehenden Baustopp bis zu einer endgültigen Entscheidung. Zulässig sind nur Bauvorbereitungen.

* März 2006: Das Bundesverwaltungsgericht weist die Musterklagen von 4.000 Anwohnern und vier Gemeinden gegen den Planfeststellungsbeschluss zum überwiegenden Teil ab. Der Baustopp wird kurz danach aufgehoben - allerdings unter verschärften Lärmschutzauflagen.

* 5. September 2006: Erster Spatenstich in Schönefeld.

* Oktober 2009: Das Brandenburger Verkehrsministerium erlässt eine neue Nachtflugregelung: Keine Starts und Landungen von Mitternacht bis 5.00 Uhr morgens, Ausnahmen sind Post- und Regierungsmaschinen sowie Notfälle.

* Dezember 2009: Der Aufsichtsrat legt als offiziellen Namen "Flughafen Berlin Brandenburg" mit dem Zusatz "Willy Brandt" fest.

* Juni 2010: Wegen der Pleite einer Planungsfirma und verschärften Sicherheitsbestimmungen wird die für den 30. Oktober geplante Eröffnung des Flughafens auf den 3. Juni 2012 verschoben.

* September 2010: Nachdem die Deutsche Flugsicherung einen ersten Vorschlag zu den Flugrouten vorlegt, kommt es zu neuen Demonstrationen und Klagen der Anwohner gegen den Planfeststellungsbeschluss.

* Juli 2011: Nach monatelangen Beratungen in der Fluglärmkommission folgt die Flugsicherung mit einem neuen Vorschlag dem Kompromiss des Gremiums.

* Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in den Randzeiten. Der Airport kann ohne weitere Einschränkungen an den Start gehen.

* Januar 2012: Die Flugrouten werden offiziell bekanntgegeben. Bürgerinitiativen kündigen weitere Klagen an. Vor allem der Berliner Müggelsee steht in den kommenden Monaten im Zentrum zahlreicher Proteste von Anwohnern.

* 8. Mai 2012: Die BER-Eröffnung wird aus Brandschutzgründen verschoben.

* 17. Mai 2012: Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft gibt den neuen Eröffnungstermin bekannt: 17. März 2013.

* Juni 2012: Das OVG Berlin-Brandenburg entscheidet, dass die Anwohner des Flughafens ein Recht auf besseren Schallschutz haben.

* 31. Juli 2012: Klagen von Anwohnern werden vom Bundesverwaltungsgericht zurückgewiesen. Nun ist der Start des Flughafens zumindest juristisch nicht mehr aufzuhalten.