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Guten Flug - mit Recht!

Einheitliche EU-Verordnung

Die Fluggastrechteverordnung ist ein 12-seitiges Papier, das am 11. Februar 2004 vom Europäischen Parlament und vom Europäischen Rat verabschiedet wurde.

Die Staaten regeln darin gemeinsam, welche Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen für Fluggäste im Fall der Nichtbeförderung und bei Annullierung oder großer Verspätung zu leisten sind.

Diese Verordnung ist im Internet leicht zu finden. Außerdem existieren einige Gerichtsurteile vom Europäischen Gerichtshof, die den Verbraucherschutz in dieser Angelegenheit gestärkt haben.

Start/Landung oder Airline aus EU

Voraussetzung ist, dass der Flughafen, von dem Sie starten bzw. auf dem Sie landen sich innerhalb der EU befindet, mit Ausnahme von Gibraltar, dessen staatliche Zugehörigkeit immer noch umstritten ist. Wer außerhalb der EU startet, muss mit einer Fluggesellschaft reisen, die ihren Sitz in der EU hat.

Fliegen Sie mit einer Chinesischen Airline von Kairo nach Peking und kommen verspätet an, können Sie keine Rechte einklagen und müssen sich an die jeweilige Fluglinie wenden und auf deren Entgegenkommen hoffen.

Ansprüche ab 3-stündiger Verspätung

Nicht bei jeder Verspätung gibt es eine Entschädigung. Erst ab einem Zeitraum von über drei Stunden hat man einen Anspruch darauf. Egal ob es sich dabei um einen Linien- oder einen Charterflug handelt. Sogar bei einer Pauschalreise hat man ein Recht darauf. Dieser Anspruch erlischt erst nach drei Jahren.

Die Ansprüche richten sich nicht nach dem Ticketpreis, sondern nach der Entfernung.

bis 1500 km: 250 Euro

bis 3500 km: 400 Euro
ab 3500 km: 600 Euro

"Finanztip"-Rechner im Internet

Zahlungen in dieser Größenordnung müssen auch bei einem Ausfall des Fluges gezahlt werden. Auf dem gemeinnützigen Internet-Portal "Finanztip" lassen sich mit Hilfe eines speziellen Rechners die Ansprüche schnell ermitteln:

www.finanztip.de/flugverspaetung/

Das Geld für das Ticket gibt es erst bei einer Wartezeit von über 5 Stunden zurück. Die Fluggesellschaft muss diese Kosten innerhalb von sieben Tagen erstatten. Ob Sie dann noch den verspäteten Flug antreten wollen, das ist allein Ihre Entscheidung.

Betreuung am Flughafen

Ob es eine Betreuung am Flughafen gibt hängt wieder davon ab, welche Entfernung zurückgelegt wird.

Bei der Kurzstrecke reichen schon zwei Stunden Wartezeit. Hier hat der Pas-sagier Anspruch auf Snacks und Getränke sowie auf die Erstattung von Telefonkosten.

Bei einem Mittelstreckenflug bis 3500 Kilometer muss eine Wartezeit von drei Stunden eingetreten sein, bei Langstrecken sind es 4 Stunden.

Insolvente Airlines

Air Berlin hat Insolvenz angemeldet. Mit der Ankündigung gehört jedes Ticket jetzt schon zur Insolvenzmasse. Solange Air Berlin fliegt, bekommen Sie Ihre Leistung. Bleibt die Airline am Boden, ist sie Bankerott und dann ist der Ticketinhaber ein Gläubiger unter vielen, die ihr Geld zurückverlangen können.

Doch das geht der Reihe nach: Erst kommen die Großen, dann die Kleinen. Und ob es am Ende für alle reicht, ist die Frage. Für alle, die jetzt schon Ansprüche gegen Air Berlin gestellt haben gilt das gleiche.

Flugstreichung/-ausfall

Wenn im normalen Flugbetrieb der Flug gestrichen wird, kann sich der Passagier den Ticketpreis ersetzen oder einen anderen Flug buchen lassen, immer unter der Voraussetzung, dass ein EU-Land angeflogen wird oder man von dort aus startet, bzw. die Airline ihren Sitz innerhalb der EU hat.

Natürlich müssen sich die Fluggesellschaften dann auch um den Passagier am Flughafen kümmern, also Mahlzeiten, Getränke, Telefonate und auch Übernachtungen bezahlen. Und man hat ein Recht auf eine Entschädigung.

Die Höhe liegt zwischen 125 Euro und 600 Euro und hängt davon ab, wann Sie über den Flugausfall informiert worden sind. Sind es zwei Wochen vorher, gibt es keine Entschädigung.

Bei kurzfristigen Absagen muss die Airline einen Ersatzflug anbieten. Mit welcher Verspätung zum ursprünglichen Termin er dann den Zielort erreicht, daraus errechnet sich der Entschädigungsbetrag. Auch dafür kann man den Finanztip-Rechner nutzen. Außerdem finden sich dort auch Musterbriefe, um seine Ansprüche anzumelden. www.finanztip.de/fluggastrecht/

Außergewöhnliche Umstände

Viele Fluggesellschaften wollen nicht in jedem Falle Zahlen und berufen sich auf "außergewöhnliche Umstände". Dazu gehören schlechte Wetterbedingungen, Notlandungen wegen eines medizinischen Falles, Streiks, die Gefahr von Terror, Kriege oder Naturkatastrophen.

Solche Ereignisse kann die Fluggesellschaft nicht beeinflussen. Der Passagier muss hier Verspätungen und Flugausfälle in Kauf nehmen. Wird allerdings ein Flug verschoben, weil ein Pilot erkrankt ist, oder die Maschine erst repariert werden muss, dann sind das keine außergewöhnlichen Umstände.

Überbuchung

Immer öfter hört man davon, dass Pas-sagier mit einem gültigen Ticket zurückgewiesen werden, weil die Maschine überbuchtist. Auch da sind Entschädigungen fällig.

Dem Fluggast muss eine andere Beförderung angeboten werden, ansonsten ist der Reisepreis in voller Höhe zu erstatten. Bei eventuellen Wartezeiten sind Betreuungsleistungen zu erbringen bis hin zu Hotelübernachtungen.

Natürlich kann der Kunde auch eine Entschädigung erwarten. Die richtet sich wieder nach der Länge der Flugstrecke.

Portale die Ihre Rechte durchsetzen

Viele Fluggesellschaften handeln aber mit dem Betroffenen und versuchen ihn mit Bargeld oder Gutscheinen zu einer freiwilligen Nichtbeförderung zu bewegen. Wer sich darauf einlässt, hat es dann sehr schwer, eine Entschädigung zu erstreiten.

Es gibt Portale, die die Rechte der Fluggäste durchsetzen. Finanztip hat 10 solcher Anbieter untersucht und würde fünf davon empfehlen: EUClaim, Fairplane, flug-verspaetet.de, refund.me und Fligtright. Sie unterscheiden sich in Detailfragen wie in der Höhe der Provisionen oder bei Zusatzkosten.

Sie stellen für den Kunden die Forderungen und erstreiten diese auch vor Gericht. Bei einem negativen Ausgang des Verfahrens tragen einige Portale das Risiko selbst. Der Vorteil: Man muss sich nicht kümmern und bekommt einen Teil seiner Ansprüche überwiesen.

Es gibt Firmen, die die Entschädigungs-Ansprüche der Fluggäste kaufen. Dabei bekommen die Betroffenen sofort das Geld ausbezahlt, allerdings mit einem höheren Abschlag. Der kann bis zu 40 Prozent betragen. Das Risiko liegt bei der Firma. Tipp hier: das Portal EUClaim.

Schlichtungsstelle söp

Hilfe gibt es auch von der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp). Das ist eine von der Bundesregierung und der Europäischen Kommission anerkannte Einrichtung, die in fast allen übertragenden Fällen eine Einigung erzielen konnte.

Allerdings muss sich der Passagier zunächst selbst um eine Entschädigung bei der betreffenden Airline gekümmert haben. Gezahlt wird erst, wenn beide Seiten dem Spruch zustimmen. Das alles kann eine längere Zeit dauern, das Verfahren ist aber für den Kunden kostenlos. https://soep-online.de/